Condominio

Wie wir leben
Wir leben in einer Wohnsiedlung, in der es insgesamt 27 Einfamilienhäuser gibt. Diese Siedlungen werden Condomino genannt. Generell sind das bewachte und mit Dornenhecken, Stacheldraht, Elektrozaun umgebene Wohneinheiten.
Der Zugang ist nur über meist streng kontrollierte Eingänge möglich. Besucher müssen sich immer an der Pforte anmelden und werden erst nach Rücksprache eingelassen, natürlich erst, nachdem die Identität überprüft wurde.
Unser Condominio zeichnet sich vor allem durch ein hohes Maß an Sicherheit aus, das ist uns wichtig und auch Geld wert! So patroullieren Tag und Nacht innerhalb und ausserhalb mit Revolvern und einer mächtigen Schrotflinte versehene aufmerksame Wachleute.
Der Vorteil ist, dass wir rund um die Uhr Fenster und Türen geöffnet lassen und ohne Angst schlafen können.

Ob das wirklich alles so notwendig ist, können wir nicht wirklich beurteilen. Jedenfalls unsere Nachbarn sind sehr vorsichtig, sogar eher ängstlich und bewegen sich (jedenfalls zu Fuß) nur auf den Straßen direkt um unser Condomino herum.
Ich gehe mit den Hunden hier häufiger andere Wege oder auch in die Hügel am Fuß der Sierra. Wege, die unsere Nachbarn nicht kennen…
Allerdings bin ich wirklich vorsichtig, wechsle die Wege regelmäßig und bemühe mich, kein Muster erkennen zu lassen. Ohne Hunde würde ich dort nicht spazieren gehen. Oskar und Bruno sind wirklich beeindruckend, wissen scheinbar was von ihnen verlangt wird und gehen auch gerne mal in „Kampfstellung“. Ich animiere die zarten Wesen allerdings dazu…

Wer sind unsere Nachbarn?
Wir wurden sehr freundlich, hilfsbereit und natürlich auch neugierig aufgenommen. Kuchen und andere Süßigkeiten werden uns häufiger mal eben so – gerade jetzt zur Weihnachtszeit – vorbeigebracht.
Das „Kulturkomitee“ organisiert häufiger Veranstaltungen, die dann hier im Condominio am Pool stattfinden. Das ist immer sehr nett, lautstark (ich hasse inzwischen Salsa-Musik ;-(( ) und mit vielen Süßigkeiten verbunden.
Ich konnte soeben noch meinen Auftritt beim Krippenspiel entweder als Joseph oder als Kind in der Kiste abwenden…..

Cali ist in sogenannte „Estratos“ unterteilt, das geht von Estrato 1 bis Estrato 6. Im Prinzip geographisch von Nord nach Süd. Von ganz, ganz arm bis ziemlich reich. Wir leben hier im Estrato 6. Natürlich gibt es dann noch das inoffizielle Estrato 0, das sind diejenigen, die auf der Strasse leben.
Je nach Estrato werden auch unterschiedliche Gebühren von der Müllabfuhr bis zum Strom und Telefon erhoben. Unsere Nachbarn sind also reich, sehr reich. 3 oder auch 4 KFZ und das eine oder andere Spielzeug wie z.B. ein Quad gehören hier dazu. Die Kinder gehen selbstverständlich auf die teuersten Schulen – gute Schulen kosten monatlich viel Geld, das können dann auch mal 1000 € sein – oder die besten Universitäten.
Hier leben Rechtsanwälte – übrigens für so manche junge Leute ein Traumberuf, da die immer Geld verdienen und gute Möglichkeiten zur Korruption haben – Mediziner, Militärs im Ruhestand oder auch aktive, Ingenieure, Versicherungsleute und Mitarbeiter von Sicherheitsunternehmen.
Wie das Geld tatsächlich verdient wird, das können wir natürlich nicht einschätzen. Bekannte aus Cali sind sich sicher, dass das auf ehrliche Art schwer möglich ist.

Aus meiner Sicht ist jedenfalls klar, dass die Armut der Vielen den Reichtum der Wenigen produziert!

Die Unterschiede in den Lebens- und Zukunftschancen sind wirklich krass. Es gibt hier – offiziell – einen Mindestlohn monatlich von 550.000 COP, das sind ca. 250 €. Dafür wird dann an 6 Tagen in der Woche jeweils 10 Stunden gearbeitet. Für eine Tankfüllung geben wir mal eben 160.000 COP, 70 €, aus.
Hier ist klar: die soziale Herkunft bestimmt die Lebenschancen. Kurz gesagt: der Dümmste mit „Familie“ fällt immer weich und hat einen guten Job, der Klügste aus Estrato 1 wird nie eine Chance haben!
Übrigens: die deutsche Schule kennt keine Stipendien, es wird kein (kluges) Kind aus der ärmsten Schicht über diese Schule eine Ausbildung erhalten.
Vorsicht, jetzt kommt Ideologie: die Schule – wie auch die anderen Auslandsschulen – trägt zur Stabilisierung der existierenden Herrschaftsverhältnisse bei!
(Leseempfehlung) www.alliteratus.com

Was uns schwer fällt
Lärm ertragen müssen!!! Besonders schlimm sind die Wochenenden. Das Leben findet anders als wir das von zu Hause gewohnt sind, im Freien statt. Oft sind es wunderschöne Abende, in der Hängematte schaukeln und lesen. Einzig die Zykaden lärmen.
Leider gibt es auch hier Musikanlagen und die werden hemmungslos und rūcksichtslos aufgedreht. Ziemlich asozial.
Wie oben schon gesagt, Salsa ist, besonders wenn als Zwangsbeschallung eingesetzt, grausam. Ich spiele hin und wieder mit dem Gedanken die schwarzbraune Haselnuss von Heino als Gegenmittel einzusetzen….
Alternativ hat Cora verschiedene Male die Polizei angerufen, meist zwecklos. Die Polizei hat in einem Condominio – außer bei einem Gewaltverbrechen – nichts zu suchen. Ist ja schließlich Privatbesitz.
Selbst von Kolumbianern, die Deutschland besucht haben, hören wir, dass ihnen vor allem die Ruhe bei uns aufgefallen ist.
Lebensäußerungen sind hier generell laut.
Wir sind inzwischen so sehr genervt, dass wir uns nach einer anderen Wohngegend umsehen, falls wir denn eine ruhigere finden…..

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Der Eingang zu unserem Condominio mit weihnachtlichem Schmuck

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Vorsicht! Strom

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Spazierweg in der Nähe unseres Condominio

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