Bullenmarkt am Titicacasee

Für den heutigen Tag hatten wir eine relativ kurze Strecke eingeplant. Es sollte von Copacabana immer am Titicacasee entlang bis nach Puno, Peru gehen.

Allerdings mussten wir – wieder einmal – eine Grenze überqueren. Seit Schengen können wir in Westeuropa das Procedere eines Grenzübergangs ja nicht mehr genießen. Und ihr könnt euch gar nicht vorstellen was für ein Verlust das für die Stempelindustrie bedeutet!! Hier jedenfalls ist es immer wieder ein beeindruckendes Erlebnis Grenzer und Zöllner bei der Auswahl und dem galanten Setzen von Stempeln beobachten zu können.

Hinzu kommt noch die Farbwahl, es gibt verschiedene Schwarztöne, Rot und Grün, leicht verwischt, völlig unlesbar, bis akkurat mit von Hand eingetragenem Datum. Immer wieder aufs Neue beeindruckend!!!

Wir bieten allerdings auch etwas für die Stempelindustrie: zwei Deutsche mit offiziellem (Diplomaten-)Pass, wohnhaft in Cali (an sich schon ein schwieriger Fall), mit einem kolumbianischen Auto, in Cali zugelassen und mit einem deutschen Eigentümer….. Da muss richtig viel gestempelt werden. Wunderbar.

Heute allerdings hatten wir noch etwas ganz Besonderes zu bieten:

Beim Übergang von Bolivien nach Peru fehlte uns plötzlich die Besitzerkarte des Autos. Hierbei handelt es sich um eine Plastikkarte im EC-Kartenformat mit Lichtbild und Fingerabdruck, auf der sämtliche Daten des KFZ eingetragen sind. Diese Karte dient als Nachweis, dass uns der Wagen auch tatsächlich gehört.

Ohne Karte kein Besitzer und kein Eigentumsnachweis. Schwieriger Fall. Nach langem Palaver konnten wir den verunsicherten Zöllner auf der bolivianischen Seite endlich überzeugen uns ausreisen zu lassen. Wir hatten ihm sogar viele Brücken gebaut in der Form: „Sicherlich können wir hier an der Grenze ein Formular kaufen, in dem uns bestätigt wird…..usw.“

Der wollte sich doch tatsächlich nicht bestechen lassen! Schließlich durften wir ausreisen, allerdings nicht ohne den Hinweis, dass die Ausreise zwar möglich sei (ausnahmsweise und weil wir Deutsche sind), aber eine Einreise unter GAR KEINEN Umständen mehr möglich sei. Im Übrigen ging der Zöllner davon aus, dass eine Einreise nach Peru mit Sicherheit unmöglich sei.

Wir sahen uns also schon über Tage im Niemandsland ausharren……

Und jetzt zur peruanischen Seite. Schwieriger Fall. Nach längerem Hin und Her, Cora hatte sich schon ganz schreckliche Schicksale von in Peru gequälten Hunden vorgestellt und sich mit der Vorstellung auf grässliche Heulkrämpfe vorbereitet, wurden wir schließlich zum OberChefe hineingebeten. Schon ganz gut. Bitte setzt Euch. Schon besser, schon mal auf gleicher Ebene. Was haltet ihr von Pizarro? Schluck, nachdenk, nachdenk….. Klasse Spieler bei Bayern München, unverzichtbar, usw…..

Das war die richtige Antwort. Schon fast gewonnen. Nachdem wir einige Kenntnisse über Fußball, deutschen vor allem und ganz besonders Bayern München, ausgetauscht hatten, wir sprachen auch über das Wetter, die Frauen und das Essen, kamen wir endlich zu unserem Thema der fehlenden Papiere zurück.

Gar kein Problem, wir sind ja Freunde, wir sollen einen guten Eindruck von Peru behalten und überhaupt, war nett sich mal unterhalten zu haben.

Kräftiges Händeschütteln, viel amigo, große Dankbarkeit usw. und das war es dann auch schon. Erwähnen muss ich natürlich noch, dass der OberChefe zwischendurch den Raum mehrmals verlassen musste, eben alles was zu so einer richtig schönen Verhandlung dazugehört. Fast bilderbuchmäßig.

Allerdings – kaum sitzen wir im Auto und wollen endlich losfahren, die ganze Veranstaltung des Grenzübertritts ging bereis in die 4. Stunde, da kommt der kleine Adlatus des großen Oberchefs und machte uns deutlich, dass er ein richtig gutes Wort eingelegt habe….

Alles klar. Kostete uns 10 US-Dollar und das war es. Hat Nerven gekostet, war aber spannend.

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Endlich über die Grenze und am See entlang. Bei einer kurzen Rast beeindruckte uns der fantastische Blick bis zur Königskordilliere.

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Im Verlauf der Strecke von Copacabana (Bolivien) immer am See entlang kamen wir dann noch zufälligerweise an einem spannenden Bullenmarkt vorbei.

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Am Seeufer wird viel Land- und Viehwirtschaft betrieben. Schwarz-weiß gefleckte Rinder sind nicht ungewöhnlich. Die Bullen und die Kulisse waren sehr beeindruckend.

 

4 Kommentare zu „Bullenmarkt am Titicacasee“

  1. Habt ihr in der zwischenzeit wieder eine Besitzerkarte für das Auto – oder geht es jetzt so weiter???

    1. Hallo Heike,

      die Geschichte ist noch nicht vorbei. Im Moment fahren wir immer noch mit der Anzeige in der Tasche herum, die wir in Lima, Peru bei der Polizei aufgegeben haben.
      Tatsächlich wurde uns die Karte (vermutlich) von einem bolivianischen Polizisten gestohlen. Gemeldet haben wir den Vorfall erst in Lima als gestohlen in Lima. Das war einfacher….
      Ich schreibe das mal etwas ausführlicher demnächst in einem Artikel.

      Liebe Grüße
      Albrecht

  2. Hallo Albrecht,
    ich musste bei diesem Zwischenbericht echt schmunzeln !
    Wie gut, dass du schon immer so ein begeisterter Fussball-Fan warst!
    🙂
    Ich hoffe sehr, dass die weitere Reise (mit oder ohne Zahlung von weiteren USD 10,–) und trotz der fehlenden Auto-Besitzerkarte ohne große Komplikationen verläuft !
    Viele Grüße aus Hamburg
    Renate

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