Vor einiger Zeit hatte ich ja bereits geschrieben, welchen Aufwand wir kurz nach dem Kauf unseres Wagens wegen der Reifen treiben mussten.
Einer der Reifen, den wir damals als kolumbianisch „Neu“ erworben hatten, ist inzwischen ziemlich runtergefahren – nach geschätzten 10.000 km.
Jetzt habe ich mich kurzerhand entschlossen zwei wirklich neue Reifen aus japanischer Fertigung und geländegeeignet zu kaufen. Bei der Gelegenheit habe ich gleich noch eine Achsvermessung und Spureinstellung vornehmen lassen. Das Ganze für ca. 420 €.
Nach mehreren Besuchen in einer Werkstatt kühlt unsere Klimaanlage inzwischen auch wieder ganz ordentlich.
Eine funktionierende Klimaanlage ist bei den hiesigen Temperaturen wirklich wichtig, nicht nur wegen der Hitze, sondern vor allem wegen der Abgase, die ansonsten bei geöffneten Fenstern die Fahrt in der Stadt unerträglich machen. Der Sicherheitsaspekt ist auch nicht ganz zu vernachlässigen, da es in manchen Straßenzügen sicherer ist, einen schnellen Zugriff durch geöffnete Fenster zu verhindern.
Todo TerrenoNeue Reifen und Spurvermessung beim Toyota Prado Sumo.Unser Wagen bekommt zwei neue (echt neue!) All Terrain Reifen verpasst.
Was jetzt noch fehlt ist ein „Mataburros“, „Eseltöter“, so werden hier die Rammschutzstoßstangen genannt. Oder wie heißen die Dinger eigentlich bei uns? Bitte um Rückmeldung, mir will der Begriff nicht einfallen.
Kleines Schläfchen auf der LadeflächeDie Schaufenster-Puppen spiegeln das hiesige Schönheitsideal widerEine der hier künstlich verursachten Ausformungen. Übrigens: Es geht auch ohne Silikon – mit entsprechenden Einlagen in den Hosen. Beides kann man hier kaufen.…ja, auch ich muss gelegentlich zum Frisör.Bruno in Aktion
Heute endlich habe ich mit Arnulfo einen ersten kleinen Ausritt unternommen. Das hat mich schon lange gereizt.
Ein sehr beliebtes Wochenend-Vergnügen sind sogenannte Cabalgatas. Meist 20, 30 oder auch mehr Personen reiten bis in die Nacht hinein hier in der Nähe deutlich hörbar am Rio Pance entlang.
Deutlich hörbar nicht nur wegen der eisenbeschlagenen Hufe, sondern vor allem wegen des grauenvollen Lärms, der aus völlig übersteuerten Lautsprecherboxen tönt, die an einigen Pferden seitlich aufgehängt sind.
Natürlich wird während solch einer Cabalgata heftig gesoffen und wohl auch gekifft, jedenfalls ist der Geruch deutlich wahrnehmbar.
Typische Machos, mit Zigarre und Schnapsflasche, breitkrempigem Sombrero und grölend, die Frauen lassen ihre silikongefüllten Brüste wippen und geben sich natürlich unbeholfen. Die armen Gäule werden in einem mörderischen Trab auf der Stelle vorwärtsgetrieben, dass es vor allem schmerzt zuzusehen.
(Zu Frauen und Silikon vorne wie hinten muss ich noch mal einen eigenen Artikel verfassen, möglichst mit Bildern)
Hier nur so viel: Cali ist die Hochburg der Schönheitschirurgie.
Aber zu meinem Ausritt:
Die Grundzüge rückenschonenden Reitens inkl. Galopp konnte ich mir inzwischen schon aneignen. Wir werden am Wochenende nach San Agustin fahren, UNESCO Weltkulturerbe. Da die einzelnen Sehenswürdigkeiten dort in der Landschaft verstreut sind werden wir vermutlich zu Pferd unterwegs sein.
Da Arnulfo die Bewohner einer Drogenvilla etwas näher kennt, konnten wir heute zu Pferd auf das Gelände und fotografieren.
Eine riesige Anlage. Viel Beton. Schusssicher?
Ein Prachtbau. Links unten der Zugang zur Tiefgarage. Jetzt ein Rinderstall.Viel Beton. Wie feucht das drinnen nach den hier häufigen und heftigen Regenfällen ist, lässt sich von außen schon erahnen.Repräsentativer Treppenaufgang….Vergammelt, vermoost, feucht.Die Villa ist bewohnt.Die Drogenvilla ist bewohnt.Arnulfo. 60 Jahre alt. Lebt hier in der Nähe am Flussufer des Rio Pance in einer einfachen Hütte. Die Behausung ist auf einigermaßen eingeebnetem Boden aus Bambusstangen errichtet. Das Dach besteht teils aus Plastikplanen oder sonstigen Abfällen. Die Wände bieten keinen Schutz gegen den Starkregen.Freischwebende Treppe.Souveräne Handhabung. Oder?Blick übers Pferd in die Garage.––
Wir werden umziehen. Derzeit leben wir – wie bereits in einem Artikel beschrieben – in einem von ziemlich reichen Familien bewohnten und extrem gut bewachten Condominio. Letzteres ist in Cali die Bezeichnung für in sich abgeschlossene, umzäunte Wohnblocks oder auch Einfamilienhaus-, bzw. Reihenhaussiedlungen.
In unserem Condominio gibt es insgesamt 24 Einfamilienhäuser. Tag und Nacht patrouillieren sowohl innerhalb wie außerhalb der Siedlung mit Schrotflinten und Revolvern bewaffnete Sicherheitskräfte.
Das bietet den Vorteil, dass wir Fenster und Türen immer geöffnet lassen können und uns absolut keine Sorgen um unsere Sicherheit machen müssen. Allerdings ist es doch auch etwas eigenartig derart in einem „Käfig“ zu leben.
Unsere Nachbarn sind ausgesprochen freundlich, extrem reich (es kommt hier schon mal vor, dass 2 Porsche Cayenne, ein Toyota Landcruiser und dann noch ein oder zwei kleinere Fahrzeuge vor dem Haus stehen) und laut. An Wochenenden – und nicht nur dann – ist es nicht unüblich, dass irgendwelche Bässe durch die Gegend wummern. Habe ich schon verraten, dass ich ein Musikfeind, vor allem ein Feind von Salzamusik bin?
Musikanlagen, die sich nicht bei Erreichung einer bestimmten Dezibelzahl in Rauch auflösen, sind die schrecklichste Erfindung der Neuzeit…..
Ganz grundsätzlich scheint die Lärmempfindung hier eine gänzlich andere zu sein, als z.B. In einer Appartement-Wohnanlage.
Nach unserer Ankunft in Kolumbien verbrachten wir die ersten zwei Wochen in einer ganz „normalen“ Wohnanlage, ebenfalls eingezäunt natürlich, ohne geht es nicht, aber eben in einer Umgebung wo viele Familien, Arbeitnehmer wohnen. Anfangs hatten wir bzgl. des Lärms große Bedenken, weil – wo viele Menschen beieinander leben……
Aber, geradezu ruhig und vor allem im Vergleich zu unserer jetzigen Wohnsituation von gegenseitigem Respekt und Rücksichtnahme geprägt.
Wenn immer möglich habe ich in den letzten Wochen verschiedene Wohngegenden mit dem Auto abgeklappert und versucht, mir einen Eindruck zu verschaffen. Es gibt ein recht großes Angebot an Häusern und Wohnungen. Eine kleine Auswahl seht ihr unten.
Vermutlich haben wir unser neues Haus bereits gefunden. Dazu hier demnächst mehr…..
Wir sind gespannt auf die neuen Erfahrungen, möglicherweise besser, oder auch nicht, auf jeden Fall anders.
Wir haben jetzt jedenfalls erst einmal gekündigt, drei Monate vor Ablauf unseres Mietvertrags.
Seit einigen Tagen schon regnet es fast jede Nacht, meist sehr heftig. Vorgestern erlebten wir ein richtiges Unwetter.
Fast zwei Stunden lang stürmte und regnete es extrem heftig. In unserem Condominio fiel zuerst der Strom komplett aus, dann funktionierte auch die Wasserversorgung nicht mehr. In unserem Haus regnete es mal wieder an einigen Stellen durch das Dach herein und in die Küche samt Nebenraum wurde durch den Sturm neben Laub, etc. auch Regenwasser hineingedrückt.
Mit Sicherheit würde auch in Deutschland kein Abwasserkanal mit diesen riesigen, plötzlich anfallenden Wassermassen fertig werden.
Das Gewitter war wirklich Furcht einflößend. Dicht über unserem Haus tobte ein unglaublicher Krach, Blitz und Donner. Nicht weit von unserem Haus entfernt schlug der Blitz in unserem Condominio ein, allerdings ohne großen Schaden anzurichten. Ach ja, Blitzableiter sind hier unbekannt, trotz der zahlreichen und meist heftigen Gewitter während der Regenzeit.
Bruno verbrachte das Unwetter unter dem Tisch im Freien, Oskar verschlief es schnarchend. Der Hund hat Nerven….!
ObstverkäuferinBlick auf Bocagrande„Schäfchenbetreuer“KathedraleViertel GetsemaniPlazaFrisch gepresster LimonensaftViertel Getsemani
Altstadtgasse
Cartagena ist eine wirklich sehenswerte Stadt, die ihr koloniales Erbe recht gut bewahrt hat. Aus Cali kommend ist uns natürlich zuallererst vor allem das hohe Maß an Sicherheit aufgefallen.
Im Gegensatz zu Cali sieht man (fast) keine mit schweren Schrotflinten o.ä. bewaffnete Sicherheitskräfte vor Restaurants, in Einkaufszentren oder auf der Straße. Das ist wohltuend. Auch die Häuser sind nicht wie in Cali extrem gesichert durch elektrische Zäune, Stacheldraht und Mauern. Eine beinahe freie und entspannte Stadt. Natürlich gibt es Trick- und Taschendiebe, aber das ist eher dem Niedlichkeitsbereich zuzuordnen. Auch kann man relativ sorglos jedes beliebige Taxi auf der Straße stoppen und mitfahren. Relativ sorglos – Vorsicht und Grundskepsis sollte man allerdings auch hier nicht außen vor lassen. Wir sind aus einem Taxi ausgestiegen, weil uns der Fahrer etwas merkwürdig vorkam. Zu Recht oder Urecht – egal, das Gefühl ist entscheidend in so einem Fall.
Wir haben nicht einen Taxifahrer, Händler, Servicekraft etc. erlebt, die uns betrügen wollte! Ganz im Gegensatz zu Santiago de Chile. In aller Regel haben wir nur sehr freundliche und hilfsbereite Menschen kennengelernt.
Das Klima ist allerdings absolut mörderisch! Extrem schwül und heiß, eine wirkliche Herausforderung! Im Prinzip nur am frühen Morgen oder am Abend einigermaßen entspannt zu ertragen. (Mittags sind nur Irre oder Touristen unterwegs – was so ziemlich das Gleiche ist).
Interessant ist das Leben auf den Plätzen und in den Straßen. Viel Kunst, Farbe, Essstände, Fruchtsaftstände, farbenfrohe Kleidung gibt es zu sehen. Für uns eine absolute Wohltat mal so richtig entspannt durch eine Altstadt zu schlendern, das sind wir aus Cali nicht gewohnt. Dort finden unsere Bummelgänge fast ausschließlich entweder in Shopping-Malls oder um unser Condominium herum statt.
Bei aller Freundlichkeit der Menschen, eines hat uns extrem genervt: Am Strand oder sobald man an einem öffentlichen Platz z.B. beim Kaffee oder Essen sitzt, wird man nahezu pausenlos angequatscht von irgendwelchen Straßenhändlern. Wenn sie auch nicht wirklich aufdringlich sind, so ist es doch extrem lästig, zumal man sich doch automatisch zu irgendeiner Reaktion veranlasst sieht. Und sei es auch nur das Kopfschütteln… Es ist einfach lästig, lästig!
Wir hatten mit unserem Flug- und Hotelpaket einen guten Deal gemacht. Ansonsten ist das mit kolumbianischen 5 Sternen geschmückte Hilton-Hotel nicht wirklich empfehlenswert. Wenn man so wie wir, lediglich den Komfort des Zimmers und vielleicht noch die Pool-Area nutzt, ansonsten dort keinen Peso fallen lässt, dann ist das ganz in Ordnung. Die Preise für Essen und Trinken sind schlichtweg unverschämt, das Personal, maulfaul, träge und unfreundlich, kurz gesagt das Geld nicht wert.
Außerdem ist es viel interessanter und abwechslungsreicher in der Stadt zu frühstücken und abends in einem Restaurant sitzend das Leben zu beobachten.
Apropos Essen: mitgebracht aus Cartagena haben wir ein kleines Andenken, das uns noch eine Woche danach intensiv beschäftigte – Durchfall. Vermutlich unser Fehler. Wir konnten einfach der Versuchung eines Ceviche-Stands nicht widerstehen. Zumindest vermute ich, dass dies die Ursache war. Es ist aber auch wirklich extrem verlockend, abends diesen wunderbar erfrischenden Fisch an irgendeinem Stand im Menschengetümmel sitzend und beobachtend zu essen! Dazu dann noch frisch ausgepresste Limonen mit Eis und Zucker…..