Autor: Mit dem Motorrad in Südamerika
Blick von unserem Condominio auf die Westkordilliere während der Regenzeit
Regenzeit in Cali
Seit gestern regnet es endlich mal länger andauernd und sehr kräftig, so dass die Morgenstunden sogar etwas Erfrischung mit leichtem, angenehmem Wind bieten. Oft wird der Regen begleitet von sehr heftigen Gewittern mit großartigen Blitzen.
Spätestens ab 10 h oder 11 h ist es dann wieder heiß und schwül. Der Regen zeitigt im Straßenverkehr in etwa ähnliche Folgen wie die erste hauchdünne Schneedecke in Hamburg. Stau, Stau, Stau, noch mehr Stau als ohnehin schon!
Zum Straßenverkehr hier noch einige Anmerkungen:
Cali ist wahrscheinlich die Stadt in Südamerika oder der Welt mit der größten Tempo 30 Zone. Wirklich sehr beeindruckend! Die Straßen sind gepflastert mit entsprechenden Schildern. Naive Gemüter – zumal wenn sie aus Deutschland kommen und an die Einhaltung von Regeln und deren Sinnhaftigkeit glauben – könnten sich hier in einem Fußgängerparadies wähnen.
Das ist natürlich alles Blödsinn. Das Geschäftsmodell „Straßenschilder verkaufen“ mit Tempo 30 hat hier wirklich gut funktioniert. Das ist aber auch alles. In Wirklichkeit interessiert das keine Sau!
Hier wird eben gefahren wie es gerade passt, Vollgas wo geht, ansonsten Standverkehr und abwarten….
Noch eins:
Ganz beliebt ist hier die „Rote Welle“, ja tatsächlich, eine grüne Welle ist hier völlig unbekannt!!! Da es an manchen Straßenzügen viele Ampeln direkt hintereinander gibt, ist das natürlich ein phantastisches Umweltvergnügen, vor allem, da es hier unendlich viele Zweitaktmopeds gibt, mit herrlichen blauen Abgasfahnen.
Wer sich an die Zonenzeit und die Plastikbomber in Ostberlin erinnert, der versteht wovon ich schreibe – nur dass Ostberlin verglichen mit Cali der reinste Luftkurort war.
Vor kurzem wurde an einigen Kreuzungen über den Ampeln eine Art Countdown-Zähler bis Rot, bzw. Grün eingeführt. Das hätte fast dazu geführt, dass ich einem vorausfahrenden KFZ am Hinterteil mindestens eine heftige Beule verpasst hätte. Wer rechnet schon damit, dass dort irgendein Idiot bei Grün (!) bremst….
Damit muss man hier allerdings rechnen, weil, es wird ja gleich Rot. Da kann man schon mal bei Grün kräftig auf die Bremse treten.
Grundsätzlich gilt hier beim Autofahren: traue nie dem Augenschein, rechne jederzeit mit jeder möglichen oder unmöglichen Verhaltensweise! Den Blinker betätigen bedeutet nichts, aber auch wirklich gar nichts! Könnte sein, dass damit tatsächlich irgendeine Abbiegeabsicht angezeigt werden soll, muss aber nicht. Schön ist auch: links blinken und dann rechts abbiegen oder umgekehrt. So ein Blinklicht sieht ja auch irgendwie nett aus! Da ja ohnehin jeder hier weis, dass das nichts zu bedeuten hat, werden dann eben die Arme rausgestreckt. Damit muss aber auch nicht unbedingt eine Absicht verbunden sein. Vielleicht will der Fahrer auch nur mal die Hand kühlen…..
Fahrspuren sind ohnehin Blödsinn. Am besten man fährt mittig auf zweien, dann hat man wenigstens die Wahl wohin es vielleicht gehen könnte….
Sehr elegant ist auch – und vor allem für den ungebremsten Verkehrsfluss wirklich hilfreich – gaaaanz, ganz rechts außen zu fahren, um dann plötzlich an (!) der Kreuzung quer vor dem oder besser durch den Verkehr nach links abzubiegen. Der Einfall, abbiegen zu müssen, kommt sowieso für jeden Fahrer überraschend.
Für Abwechslung ist hier jedenfalls gesorgt.
Leben ohne Internet
Seit heute haben wir nach fast 10 Tagen endlich wieder Zugang zum Internet!!!
Am Montag und Dienstag vergangener Woche hatten wir in unserem Stadtgebiet erst zeitweilig, dann fūr einen längeren Zeitraum Stromausfall.
Der Verkehr ist hier ohnehin schon wahnsinnig bis unerträglich, aber wenn dann auch noch die Ampeln ausfallen, dann geht hier gar nichts mehr. Dann zeigt sich kolumbianische Improvisationskunst in ihrer ganzen Größe. Beeindruckend, wie in allerkürzester Zeit Kreuzungen samt Gehwegen rechts und links unpassierbar gemacht werden können. Ein (fast) unauflösbares Knäuel! Mit so richtig viel Gehupe, lautstarkem Gebrülle, Drohgebärden und viel Abgasgestank. Beeindruckend!
Dann fiel zu Hause auch noch unser Internet, als wir dann wieder Strom hatten, vollständig aus. Das ist eine Katastrophe!
Das Internet ist für uns wirklich extrem wichtig. Vor allem zur Geldbeschaffung unerlässlich. Wir verfügen in Kolumbien über kein Bankkonto, ziehen an diversen Bankautomaten unser notwendiges Bargeld. Die Prozedur habe ich an anderer Stelle bereits geschildert. Zur Sicherheit haben haben wir für die Kreditkarten unterschiedlich hohe (aus Sicherheitsgründen eher niedrige) Limits gesetzt.
Das hat zur Folge, dass wir je nach Bedarf Geld von einer zur anderen Karte hin- und herschieben. Jetzt nahte das Monatsende und somit unsere Mietzahlung. Da müssen dann mal eben einige Millionen Pesos aus den Automaten gezogen werden. Anschließend wird das Geld dann wieder von Hand auf ein Konto eingezahlt.
Kurzum: Ein Leben ohne Internet ist möglich, aber sinnlos (frei nach Loriot).
In den nächsten Tagen muss ich einiges aufarbeiten. Unter anderem auch an unserem Blog noch einige Zeilen zu unserem Chile-Urlaub vervollständigen.
Da wir in der Zwischenzeit Entzugserscheinungen bekamen, habe ich uns eine Mobilfunk-Lösung von Movistar (Telefonica) besorgt. Leider ist auch dieses Netz sehr schwankungsanfällig bis ausfallgefährdet.
Was den Umgang mit einer kolumbianischen Servicehotline anbelangt, bin ich inzwischen abgehärtet. Bitten nach etwas langsamerem Sprechverhalten werden meist mit Lautstärke und noch mehr Geschwindigkeit beantwortet. Von dem Dschungel einer tastengeführten Hotline muss ich hier sicherlich nichts erzählen. Das werden die meisten von euch vermutlich schon erlebt haben.
Jetzt steht die Verbindung wieder sehr zuverlässig und gefühlt noch schneller als zuvor.
Fehler beim Zugriff auf den Blog
Das Passwort gilt ab sofort für ALLE Seiten und ALLE Artikel.
Fälschlicherweise hatte ich ein falsches Passwort für einige Seiten eingerichtet.
ENTSCHULDIGUNG
Sound am Sonntagnachmittag
So in etwa hört es sich bei uns an einem gewöhnlichen Sonntagnachmittag an.
Man beachte bitte den wahnsinnigen Papagei im Hintergrund und den noch wahnsinnigeren Trompetenspieler.
Oder ist es umgekehrt?
Für Cora
HD-Video. Bitte Sound einschalten.
Es gilt das bekannte Passwort (Bitte beim Autor erfragen; nur für private Nutzung).
PS
An dieser Stelle sei noch einmal auf den Grundlagenartikel „Paarproblematik“ hingewiesen.
Condore bei Santiago
Für den heutigen Tag haben wir uns ein Auto gemietet, um damit in die Anden in Richtung argentinischer Grenze zu fahren. Nach kurzer Orientierung in der riesigen Stadt, fanden wir doch recht schnell den Weg raus in die Berge.
Die Straßenverhältnisse in Santiago sind ausgezeichnet und auch die Straße rauf in die Anden ist sehr gut ausgebaut.





Oben erwartete uns ein Skigebiet, das derzeit noch weiter ausgebaut wird. Ein Anblick, wie aus den Alpen gewohnt, nur etwas höher und nur knapp eine Fahrstunde von einer Großstadt entfernt.

Morgens bei Valparaiso im Pazifik baden und nachmittags bei Santiago Skifahren! Kein ganz schlechtes Angebot….


Schnee gab es zwar nicht, aber viele Liftanlagen, die auf ein großes Skigebiet schließen lassen.

Kaum angekommen, konnten wir auch schon die Condore starten sehen. Drei der Vögel saßen auf dem Dach eines Hotelkomplexes und stürzten sich von dort aus in die Tiefe. Beeindruckende Flieger! Absolut ruhig und gleichmäßig, nahezu ohne Flügelbewegungen ziehen sie ihre Bahnen.



2012 Blog-Rückblick
Die WordPress.com-Statistik-Elfen fertigten einen Jahresbericht dieses Blogs für das Jahr 2012 an.
Hier ist ein Auszug:
600 Personen haben 2012 den Gipfel des Mount Everest erreicht. Dieser Blog hat 2012 über 4.500 Aufrufe bekommen. Hätte jede Person, die den Gipfel des Mount Everest erreicht hat, diesen Blog aufgerufen, würde es 8 Jahre dauern, um so viele Aufrufe zu erhalten.
…wieder in Santiago – Rückblick
Wir sind wieder in Santiago. Für unseren letzten Tag vor unserem Rückflug nach Cali am Sonntag haben wir ein Auto gemietet. Wir wollen in die Berge in Richtung argentinischer Grenze fahren, um dort (hoffentlich) Schnee und vielleicht auch Kondore zu sehen.
Santiago ist eine sehr moderne, reiche Stadt mit einer ausgezeichneten Infrastruktur. Metro und Busse bringen die Menschen schnell und günstig an jeden Ort.
Die südlichen Stadtteile liegen an den Ausläufern der Anden, hier steigt das Land sanft in Richtung der Berge an, so dass man dort aus recht bequem auf die Hochhäuser im Stadtzentrum sehen kann. Dies ist die Wohngegend der Reichen.
Übrigens:
Hier lebte Erich und lebt noch Margot Honecker, letztere wird ja mit einer Rente der Bundesanstalt gut versorgt. „Margot Honecker gibt Maueropfern Mitschuld“, Spiegel.
In Santiago gibt es zahlreiche, supermoderne Einkaufszentren. Wir nutzten die Gelegenheit und aßen im „Sushi-Blues“ natürlich Sushi bis zum Abwinken.
Im Zentrum der Stadt gibt es einen wunderschönen überdachten Markt, El Mercado Central.
Hier kann man vor allem ausgezeichnet Fisch essen, zumindest so lange man das Restaurant Donde Augusto meidet, das in sämtlichen Reiseführern hochgelobt wird. Nepp und schlecht!
Apropos, wir haben nicht einen Bezahlvorgang erlebt, der ohne betrügerische Absicht war. „Ja, wir versuchen zu betrügen, aber nur ein klein wenig, weil es uns peinlich ist.“ So ein Chilene, den wir darauf ansprachen.
Wirklich im Vergleich zu Cali auffallend. Auch sind die Menschen in Santiago, obwohl offensichtlich wesentlich reicher als die in Cali, schlechter bis schmuddelig und nachlässig gekleidet. Mürrisch außerdem, was uns dann wieder an Deutschland erinnerte.
In Cali wird – besonders in der Damenwelt – sehr, sehr viel Wert auf Schönheit gelegt.




















