



Seit einigen Tagen schon regnet es fast jede Nacht, meist sehr heftig. Vorgestern erlebten wir ein richtiges Unwetter.
Fast zwei Stunden lang stürmte und regnete es extrem heftig. In unserem Condominio fiel zuerst der Strom komplett aus, dann funktionierte auch die Wasserversorgung nicht mehr. In unserem Haus regnete es mal wieder an einigen Stellen durch das Dach herein und in die Küche samt Nebenraum wurde durch den Sturm neben Laub, etc. auch Regenwasser hineingedrückt.
Aber schaut selbst:
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Mit Sicherheit würde auch in Deutschland kein Abwasserkanal mit diesen riesigen, plötzlich anfallenden Wassermassen fertig werden.
Das Gewitter war wirklich Furcht einflößend. Dicht über unserem Haus tobte ein unglaublicher Krach, Blitz und Donner. Nicht weit von unserem Haus entfernt schlug der Blitz in unserem Condominio ein, allerdings ohne großen Schaden anzurichten. Ach ja, Blitzableiter sind hier unbekannt, trotz der zahlreichen und meist heftigen Gewitter während der Regenzeit.
Bruno verbrachte das Unwetter unter dem Tisch im Freien, Oskar verschlief es schnarchend. Der Hund hat Nerven….!
Seit einigen Tagen regnet es nicht nur nachts heftig, der Regen hält auch für viele Stunden während des Tages an.
Die nächtlichen schweren Gewitter sind wirklich Furcht einflößend. Teilweise hat es den Anschein, als ob sich die Gewitter ganz dicht über unserem Hausdach entladen würden. Wir ziehen sämtliche Stromstecker im Haus…
Zum Vergleich:
Vor einiger Zeit unternahmen wir einen Ausflug nach San Cipriano, auf der anderen Seite der Westanden kurz vor dem Hafen Buenaventura.
Die Route könnt ihr in Google-Earth hier (kmz) sehen. Oder hier (kml)
Fotos gibt es hier.
Video hier, leider ohne Sound.
Seit gestern regnet es endlich mal länger andauernd und sehr kräftig, so dass die Morgenstunden sogar etwas Erfrischung mit leichtem, angenehmem Wind bieten. Oft wird der Regen begleitet von sehr heftigen Gewittern mit großartigen Blitzen.
Spätestens ab 10 h oder 11 h ist es dann wieder heiß und schwül. Der Regen zeitigt im Straßenverkehr in etwa ähnliche Folgen wie die erste hauchdünne Schneedecke in Hamburg. Stau, Stau, Stau, noch mehr Stau als ohnehin schon!
Zum Straßenverkehr hier noch einige Anmerkungen:
Cali ist wahrscheinlich die Stadt in Südamerika oder der Welt mit der größten Tempo 30 Zone. Wirklich sehr beeindruckend! Die Straßen sind gepflastert mit entsprechenden Schildern. Naive Gemüter – zumal wenn sie aus Deutschland kommen und an die Einhaltung von Regeln und deren Sinnhaftigkeit glauben – könnten sich hier in einem Fußgängerparadies wähnen.
Das ist natürlich alles Blödsinn. Das Geschäftsmodell „Straßenschilder verkaufen“ mit Tempo 30 hat hier wirklich gut funktioniert. Das ist aber auch alles. In Wirklichkeit interessiert das keine Sau!
Hier wird eben gefahren wie es gerade passt, Vollgas wo geht, ansonsten Standverkehr und abwarten….
Noch eins:
Ganz beliebt ist hier die „Rote Welle“, ja tatsächlich, eine grüne Welle ist hier völlig unbekannt!!! Da es an manchen Straßenzügen viele Ampeln direkt hintereinander gibt, ist das natürlich ein phantastisches Umweltvergnügen, vor allem, da es hier unendlich viele Zweitaktmopeds gibt, mit herrlichen blauen Abgasfahnen.
Wer sich an die Zonenzeit und die Plastikbomber in Ostberlin erinnert, der versteht wovon ich schreibe – nur dass Ostberlin verglichen mit Cali der reinste Luftkurort war.
Vor kurzem wurde an einigen Kreuzungen über den Ampeln eine Art Countdown-Zähler bis Rot, bzw. Grün eingeführt. Das hätte fast dazu geführt, dass ich einem vorausfahrenden KFZ am Hinterteil mindestens eine heftige Beule verpasst hätte. Wer rechnet schon damit, dass dort irgendein Idiot bei Grün (!) bremst….
Damit muss man hier allerdings rechnen, weil, es wird ja gleich Rot. Da kann man schon mal bei Grün kräftig auf die Bremse treten.
Grundsätzlich gilt hier beim Autofahren: traue nie dem Augenschein, rechne jederzeit mit jeder möglichen oder unmöglichen Verhaltensweise! Den Blinker betätigen bedeutet nichts, aber auch wirklich gar nichts! Könnte sein, dass damit tatsächlich irgendeine Abbiegeabsicht angezeigt werden soll, muss aber nicht. Schön ist auch: links blinken und dann rechts abbiegen oder umgekehrt. So ein Blinklicht sieht ja auch irgendwie nett aus! Da ja ohnehin jeder hier weis, dass das nichts zu bedeuten hat, werden dann eben die Arme rausgestreckt. Damit muss aber auch nicht unbedingt eine Absicht verbunden sein. Vielleicht will der Fahrer auch nur mal die Hand kühlen…..
Fahrspuren sind ohnehin Blödsinn. Am besten man fährt mittig auf zweien, dann hat man wenigstens die Wahl wohin es vielleicht gehen könnte….
Sehr elegant ist auch – und vor allem für den ungebremsten Verkehrsfluss wirklich hilfreich – gaaaanz, ganz rechts außen zu fahren, um dann plötzlich an (!) der Kreuzung quer vor dem oder besser durch den Verkehr nach links abzubiegen. Der Einfall, abbiegen zu müssen, kommt sowieso für jeden Fahrer überraschend.
Für Abwechslung ist hier jedenfalls gesorgt.
Seit heute haben wir nach fast 10 Tagen endlich wieder Zugang zum Internet!!!
Am Montag und Dienstag vergangener Woche hatten wir in unserem Stadtgebiet erst zeitweilig, dann fūr einen längeren Zeitraum Stromausfall.
Der Verkehr ist hier ohnehin schon wahnsinnig bis unerträglich, aber wenn dann auch noch die Ampeln ausfallen, dann geht hier gar nichts mehr. Dann zeigt sich kolumbianische Improvisationskunst in ihrer ganzen Größe. Beeindruckend, wie in allerkürzester Zeit Kreuzungen samt Gehwegen rechts und links unpassierbar gemacht werden können. Ein (fast) unauflösbares Knäuel! Mit so richtig viel Gehupe, lautstarkem Gebrülle, Drohgebärden und viel Abgasgestank. Beeindruckend!
Dann fiel zu Hause auch noch unser Internet, als wir dann wieder Strom hatten, vollständig aus. Das ist eine Katastrophe!
Das Internet ist für uns wirklich extrem wichtig. Vor allem zur Geldbeschaffung unerlässlich. Wir verfügen in Kolumbien über kein Bankkonto, ziehen an diversen Bankautomaten unser notwendiges Bargeld. Die Prozedur habe ich an anderer Stelle bereits geschildert. Zur Sicherheit haben haben wir für die Kreditkarten unterschiedlich hohe (aus Sicherheitsgründen eher niedrige) Limits gesetzt.
Das hat zur Folge, dass wir je nach Bedarf Geld von einer zur anderen Karte hin- und herschieben. Jetzt nahte das Monatsende und somit unsere Mietzahlung. Da müssen dann mal eben einige Millionen Pesos aus den Automaten gezogen werden. Anschließend wird das Geld dann wieder von Hand auf ein Konto eingezahlt.
Kurzum: Ein Leben ohne Internet ist möglich, aber sinnlos (frei nach Loriot).
In den nächsten Tagen muss ich einiges aufarbeiten. Unter anderem auch an unserem Blog noch einige Zeilen zu unserem Chile-Urlaub vervollständigen.
Da wir in der Zwischenzeit Entzugserscheinungen bekamen, habe ich uns eine Mobilfunk-Lösung von Movistar (Telefonica) besorgt. Leider ist auch dieses Netz sehr schwankungsanfällig bis ausfallgefährdet.
Was den Umgang mit einer kolumbianischen Servicehotline anbelangt, bin ich inzwischen abgehärtet. Bitten nach etwas langsamerem Sprechverhalten werden meist mit Lautstärke und noch mehr Geschwindigkeit beantwortet. Von dem Dschungel einer tastengeführten Hotline muss ich hier sicherlich nichts erzählen. Das werden die meisten von euch vermutlich schon erlebt haben.
Jetzt steht die Verbindung wieder sehr zuverlässig und gefühlt noch schneller als zuvor.
So in etwa hört es sich bei uns an einem gewöhnlichen Sonntagnachmittag an.
Man beachte bitte den wahnsinnigen Papagei im Hintergrund und den noch wahnsinnigeren Trompetenspieler.
Oder ist es umgekehrt?
Zufällig konnten wir das Schauspiel der Wachablösung vor dem Präsidentenpalast in Bogotá beobachten. Sind das nicht Pickelhauben????
Übrigens….
Hier ein Zitat von Albert Einstein:
Wenn einer mit Vergnügen zu einer Musik in Reih und Glied marschieren kann, dann hat er sein großes Gehirn nur aus Irrtum bekommen, da für ihn das Rückenmark schon völlig genügen würde.
Danke Wolfgang.